D
ie Auswahl der geeigneten Therapie gegen Haarausfall basiert auf der sorgfältigen Erhebung der Anamnese, der klinischen Untersuchung und – wenn nötig – der Durchführung von Laboruntersuchungen. Die Krankengeschichte wird wertvolle Informationen über den Beginn der Symptomatik, die Entwicklungsrate, die Form und Ausdehnung der Haarverdünnung, sowie von Nebenerkrankungen, die mit dem Haarausfall (z.B. Hypothyreose, Autoimmunerkrankungen, Anämie, etc.) assoziiert sind, liefern.

    Eine wichtige Rollte spielt auch die Familiengeschichte des Patienten. Insbesondere bei der androgenetischen Alopezie ist eine positive Familienanamnese – väterlicher- oder mütterlicherseits – von essentieller Bedeutung sowohl für die Diagnose als auch zum größten Teil für die Einschätzung der künftigen Entwicklung der Alopezie. Bei unklaren Diagnosen, vor allem bei Frauen, sehr jungen Patienten oder besonderen Formen der Alopezie (z.B. vernarbende Alopezie etc.) kann die Durchführung von Spezialuntersuchungen wie das klassische Trichogramm, das Phototrichogramm und Bluttests zur Diagnosesicherung beitragen. Zusätzlich ist es nun möglich, das genetische Profil des Patienten durch ein gezieltes genetisches Screening von zahlreichen, mit dem Haarausfall assoziierten Genen zu bestimmen. Die Behandlung von Haarausfall kann in zwei große Kategorien unterteilt werden: die konservative und die operative Behandlung.

Hair Loss Treatment – Klassifikation

Die konservative Behandlung von Haarausfall umfasst alle nicht-invasive Behandlungsmethoden:

  • die medikamentöse Therapie
  • die Behandlung mit einem niedrigenergie-Laser (LLLT oder Lasercomb)
  • die PRP-Behandlung (Platelet Rich Plasma)
  • unterstützende Maßnahmen wie zum Beispiel Nahrungsergänzungsmitteln, Lotionen, Shampoo, etc.

Für die medikamentöse Therapie des Haarausfalls werden hauptsächlich zwei Wirkstoffe eingesetzt:

  • Das Minoxidil zur Verlängerung der Anagenphase des Haarzyklus
  • das Finasterid, welches die Wirkung der Testosteronderivate unterdrückt und somit eine antiandrogene Wirkung zeigt. Zu derselben Kategorie gehört eine neue Substanz, das Dutasterid, welches eine stärkere antiandrogene Wirkung als das Finasterid hat. Außer Medikamenten, die spezifisch gegen Haarausfall wirken, stehen auch nicht-spezifische Wirkstoffe zur Verfügung, wie zum Beispiel die topische Applikation von Kortikosteroiden auf der Kopfhaut. Die Kortikosteroide hemmen die zu Degeneration der Haarfollikel führende Entzündung. Die nicht-spezifische Therapie wird vor allem beim Haarausfall unklarer Ätiologie wie z.B. bei diffuser oder vernarbender Alopezie oder Alopecia areata eingesetzt.
  • Die Therapie des Haarausfalls mit niedrigenergie-Laser (LLLT–Laser) hat sich bei beginnender androgenetischen Alopezie und bei diffuser Alopezie als erfolgreich herausgestellt. Sie führt zu einer Besserung der Durchblutung der Kopfhaut und einer erhöhten Energieproduktion durch die Follikelzellen.
  • Die Behandlung des Haarausfalls durch die Anwendung von PRP (Platelet Rich Plasma ), ist eine neue vielversprechende therapeutische Methode, welche auf den eigenen Heilungs- und Wachstumsfaktoren des Körpers des Patienten basiert. Bei der PRP wird das plättchenreiche Plasma aus dem Eigenblut des Patienten aktiviert und Wachstumsfaktoren werden freigesetzt. Diese aktivieren die Stammzellen um neue Zellen zu produzieren, dadurch wird das Haarwachstum gefördert.
  • Zu den konservativen Behandlungen gegen Haarausfall werden adjuvant zahlreiche Produkte eingesetzt, vor allem Shampoos, Lotionen oder Ampullen mit pflegenden Inhaltsstoffen, Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren, etc. Im Allgemeinen ist der Erfolg dieser Produkte gegen Haarausfall umstritten. Eine richtige und ausgewogene Ernährung, reich an Ballaststoffen und Vitaminen -insbesondere der B-Gruppe-, Spurenelementen wie Zink und Naturstoffen wie Aloe sollte jedoch für ein gesundes und starkes Haar in Betracht gezogen werden. Bei Patienten mit dünnem empfindlichen und schwachen Haar und einer positiven Familienanamnese, wird in der Regel die Anwendung eines milden, für den Alltag geeigneten Shampoos mit neutralem pH-Wert empfohlen.


    Die chirurgische Therapie des Haarausfalls mittels Haartransplantation wird bei mäßig-ausgeprägten oder sehr fortgeschrittenen Fällen mit sichtbaren, gut begrenzten und ästhetisch störenden Läsionen eingesetzt. Derzeit stehen zwei Techniken zur Verfügung:

  • die FUT-Strip Technik. Bei der ersten wird ein Hautstreifen aus der Donor-Region im Bereich des Hinterkopfes entnommen. Als Folge dieser Behandlung kann eine permanente Narbenbildung am Hinterkopf entstehen.
  • Bei der modernen FUE-Technik werden einzelne follikuläre Einheiten aus der Donor-Region entnommen, sodass keine Narben hinterlassen werden. Die Ergebnisse der Haartransplantation sind dauerhaft. Trotzdem ist die gleichzeitige Durchführung einer konservativen Therapie von wesentlicher Bedeutung um die vorbestehenden Haare zu schonen.